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Fahrt der Seniorenhilfe Heusenstamm nach Mecklenburg-Vorpommern vom 11. – 15. Juni 2010 zum Quartier nach Plau am See in das Falk Seeschlösschen.

 
SHH Meck-Pom  Gruppenbild 

 

 11. Juni - AnreiseDie Fahrt sollte um 7.00 Uhr in Heusenstamm beginnen. Tatsächlich waren um 6.50 Uhr alle Koffer verstaut und 49 Seniorinnen und Senioren saßen erwartungsvoll auf ihren Plätzen, so dass die Fahrt beginnen konnte. Die Reiseleitung lag in den bewährten Händen von Herrn Heinz Baltes (im Weiteren Heinz). Fahrer war wieder – wie schon oft – Herr Ernst Harnischfeger (im Weiteren Ernst) von der KVG. Unser Bus war 5 Jahre alt. Dieses Alter sah man ihm nicht an. Auch beim Schätzen des Alters unseres Busfahrers hätte sich jede und jeder verschätzt. Ernst legte auf die Pflege seines Busses und seines Äußeren großen Wert. Bei jedem Halt beseitigte Ernst die Spuren der Benutzung.
Die Fahrtroute führte aus dem Rhein-Main-Gebiet über Nordhessen nach Wittenberg, das geistliche Zentrum der Protestanten oder auch „Rom des Protestantismus“ genannt. Die Fahrt wurde unterbrochen durch eine kurze Verschnaufpause (PPause) auf dem Rimberg. Frisch entleert ging es weiter zur Rast an der Autobahn (10.25 Uhr). Da gab es „Flaaschworscht“ mit „Breedscher“ „ saure Gummern“ und Mostrisch. Auch der Kaffee, überbrüht mit Kahlgrunder Felsquellwasser, fehlte nicht.
An Bord unseres Busses gab es Getränke zu Friedenspreisen von je einem Euro. Wasser, Apfelsaftschorle, Bier vom Schlappeseppel und Pikkolos. Obwohl Heinz schon viele Reisen geleitet hatte und Ernst schon viele Gruppen gefahren hatte, lagen sie bei Bestückung der Kühlboxen mit Getränken völlig daneben. Zuerst musste Sekt nachgebunkert werden.
In Wittenberg besichtigten wir die Schlosskirche. Die Tür, an die Martin Luther seine 95 Thesen nagelte, existiert heute nicht mehr. Jedoch waren an die Tür, seitlich des Kirchenschiffes seine 95 Thesen nunmehr witterungsbeständig angebracht worden. In der Kirche befanden sich unter anderen 2 eiserne Grabplatten. Die eine erinnerte an Martin Luther und die andere an Philipp Schwarzerd, der seinen Nachnamen ins Griechische übersetzte und fortan Melanchthon hieß. In Wittenberg wurde ein mittelalterlicher Markt aufgebaut. Dieser sollte an die Vermählung Luthers mit Katharina von Bora erinnern. Die Hochzeit sollte am 12. Juni stattfinden, sodass der 11. Juni eigentlich der Polterabend der Luthers war. Wir konnten als nichteingeladene Gäste nicht bleiben und wir hätten auch nicht bleiben können, da Frau Falk (Inhaberin des Seeschlösschens) uns begrüßen wollte.  Um 17.30 Uhr erreichten wir unser Ziel. Wir waren vor dem Falk Seeschlösschen am Plauer See angekommen. Frau Falk begrüßte uns herzlich.  Auch hier wurden wir weiter verwöhnt, denn unsere Koffer wurden in unser Hotelzimmer gebracht. Lediglich unsere Körper mussten wir in den ersten, zweiten oder dritten Stock bringen. Die Damen hatten Gelegenheit, sich für das Abendessen neu zu kleiden und Rouge aufzulegen. Dann ging es zum Buffet (19.00 Uhr). Ich war überwältigt von der Vielfalt und Menge des Buffets. Zwei Beschäftigte des Küchenpersonals erkundigten sich nach den Wünschen und legten gekonnt vor. Ich stand vor der Wahl, entweder das Buffet zu beschreiben oder auch davon zu essen. Ich entschied mich für das Essen. So umfangreich wie das Buffet war auch die Getränkekarte. Ich bevorzugte allerdings das einheimische Pils „Lübzer Bier“.Nach dem Essen kehrte auch bald Nachtruhe ein.

12. Juni – Rostock - WarnemündeDas Frühstücksbuffet war ähnlich reichhaltig und vielfältig wie das abendliche Buffet. Auch hier fiel die Entscheidung schwer, was man sich zwischen Nase und Kinn hineinschieben sollte. Auf keinen Fall konnte man oder frau alles ausprobieren. Hier war Selbstdisziplin gefragt, um nicht innerhalb der Reise mehrere Kilos zuzunehmen. Um 9.00 Uhr fuhren wir nach Rostock. Die ursprüngliche Ansiedlung wurde von Slawen gegründet. Der Name bedeutete soviel wie auseinanderfließendes Wasser, denn hier verbreiterte sich die Warnow auf 500 m. Das war damals bei der Verteidigung wichtig. Um 10.30 Uhr begann die Stadtführung unter der fachkundigen, redegewandten und für alle verständlich sprechenden Mareike Desch (im Weiteren Mareike). Sie war in der Lage innerhalb einer Stunde soviel zu sagen, wofür ein anderer einen ganzen Tag gebraucht hätte. Die Stadtführung begann in der nördlichen Altstadt, führte über die lange Straße, Rathaus mit Marktplatz und Kröpi (Kröpelinerstraße). Sie endete am Brunnen der Lebensfreude (Pornobrunnen) an der Universität um 12.30 Uhr. Rostock war durch Kriegseinwirkungen zu 80% zerstört. Die DDR-Regierung weitgehend freie Hand in der Gestaltung.  Die zerstörten Häuser wurden durch Plattenbauten ersetzt. Allerdings erinnert diese Bauweise an die früheren Speicher. Sie sind nicht so hässlich wie die „Platte“ allgemein oder die Bausünden der Nachkriegsjahre in den alten Bundesländern. Auch ein innerstädtischer Wasserlauf mit gepflastertem Bachbett kreuzte unseren Weg. Vor einer Plastik, die einen Reiter mit Pferd sowie Pferdeäpfeln mit Spatzen zeigte, erzählte Mareike die Geschichte. Kasper Ohm (eine Romanfigur von John Brinckmann) wollte Gäste vor dem Stadttore empfangen. Dazu zog er sein bestes Gewand an und stieg auf ein Pferd. Er hatte nicht alles bei seinem Plan bedacht, denn durch Wachablösung mit Trompeten, Pauken und Trommeln scheute sein Pferd und warf ihn ab, sodass er im feuchten Schmutz landete. Der Roman trägt den Titel: Kasper Ohm up sin Vosswallach.Danach wurde uns erklärt was ein Baumhaus war. Bei diesem Haustyp, musste der Dachstuhl irgendwie getragen werden. Die sinnvollste Lösung war, in dem Haus eine tausendjährige Eiche unterzubringen, die den Dachstuhl und die einzelnen Etagen trug. Daher der Name Baumhaus. Dann gingen wir über Rostocks Prachtboulevard „Lange Straße“ in die Marienkirche. Die größte Höhe des Kirchenschiffs betrug 35 m. In einem Seitenflügel ist die Orgel mit insgesamt 83 Registern und 5700 Pfeifen untergebracht. Strenggenommen sind es drei Orgeln, die unabhängig voneinander gespielt werden können, die aber auch von einem Tisch zusammengespielt werden können. Unterhalb der Orgel waren die hochherrschaftlichen Logen untergebracht. Und damit diese ihren Untertanen nicht auf den Rücken sehen mussten, waren die Kirchenbänke so angeordnet, dass die Untertanen im Profil zu sehen waren. Schwerpunkt – wie in jeder evangelischen Kirche – war die Kanzel. Gegenüber der Kanzel war Martin Luther mit einem Schwan abgebildet. Dieses Symbol soll auf den Reformator Jan Hus zurückgehen. Als dieser, nachdem er seine Thesen nicht widerrufen hatte, soll er auf dem Scheiterhaufen gerufen haben. „Heute bratet ihr eine Gans (tschechisch: husa). Nach meiner Zeit wird ein Schwan kommen, den ihr nicht verbrennen könnt. (Anspielung auf einen Reformator, der so mächtig sein wird, dass er nicht als Märtyrer sterben wird)“. Weiterhin ist in der Marienkirche eine astronomische Uhr untergebracht, die sehr viele Funktionen beinhaltet. Der Pirat und Seeräuber Störtebecker soll ebenfalls zeitweise in Rostock gelebt haben. Sein richtiger Name ist nicht bekannt. Den Namen Störtebecker soll dadurch entstanden sein, dass er eine Aufnahmeprüfung für die Seeräuberei ablegen musste. Zuerst musste er ein Seil mit bloßen Händen zerreißen, sodann ein Hufeisen auseinanderbiegen und zum Schluss einen Stiefel oder großen Becker alkoholischen Inhalts mit einem Zug leeren. Alle drei Aufgaben löste er mit Bravour, übrig blieb sein Name, der den Becher gestürzt hatte (Störtebecker). Teilweise war er auch Leiter des örtlichen Reisebüros. Die Fahrten wurden meist zur gegenüberliegenden dänischen Küste unternommen, um die dortige Bevölkerung von ihren unnötigen Vermögensgegenständen zu befreien. Gegen diese touristischen Reisen hatten sowohl der dänische König Waldemar der Sieger als auch Heinrich der Löwe etwas. Diese zerstörten Rostock und unterbanden somit die Ausflüge auf See. Das endgültige „Aus“ wurde Störtebecker in Hamburg beschert, dort wurde er enthauptet. Das Rostocker Rathaus hat im unteren Säulenrelief einen schlangenartigen Körper. Die einen sagen, dass es sich um eine Schlange handelt (Symbol der Weisheit für die Stadtväter), die anderen sagen, dass es sich um einen Aal handelt (Symbol für Hochwasser am Rathaus). Was der Künstler ausdrücken wollte ist nicht bekannt, denn sein Kunstwerk ist im vorderen Teil eine Schlage und im hinteren Teil ein Aal. Die Kröpeliner Straße (Kröpi) lud zum Shopping ein. Sie führte vom Marktplatz bis zum Kröpeliner Tor. Dort steht auch das KTC (Kröpeliner Tor Center). Zwischen Pornobrunnen und Universität wacht Blücher, der im Kampf gegen Napoleon Meriten erworben hatte. Die Universität soll die älteste im Nordeuropäischen Raum gewesen sein. Sie wurde 1419 gegründet. Sie ist die drittälteste Universität auf dem heutigen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Sie war im Ostseeraum und in Norddeutschland die erste Universität. Die Gründungsurkunde erhielt sie von Papst Martin V. 1760 wurde sie geteilt in eine rätische Universität in Rostock und in eine fürstliche Universität in Bützow. 1789 wurde sie wiedervereint.Um 16.00 Uhr fuhren wir nach Warnemünde, die Gründung von Warnemünde erfolgte ebenfalls durch die Slawen. Der ursprüngliche Name Warnow hatte etwas mit Raben zu tun. Warnemünde hat viele Fischbuden. Dort gibt es frischen Matjes, gesäuerten Bismarck, geräucherte Fische, wie Aal, Scholle, Dorsch und andere, „Fisch satt“.
Die heutigen Raben in Warnow heißen Silbermöwen. Die kleinen Wohnhäuser schmiegen sich wundervoll an die buckelig gepflasterten Sträßchen an. Hier ließe es sich wohnen, solange man oder frau noch keinen Rentnerporsche (unter Fachleuten Rollator genannt) fährt und die dritten Zähne mit Haftcreme festsitzen.
Die Haustüren sind aufwändig verarbeitet. Ein empfehlenswertes Restaurant ist der Hummerkorb. Die dortige Spezialität ist ein Aquarium, in dem Hummer leben. Möchte man einen Hummer essen, so wird er dem Aquarium entnommen und an den Tisch gebracht. Da kann der spätere Konsument noch eine persönliche Beziehung zum Hummer aufbauen, bevor dieser sich in sein für ihn ungesundes, weil viel zu heißes Bad begibt. In der Zwischenzeit kann der Hummeresser auf seiner Tischunterlage nachlesen, wie man den Hummer zubereitet und wie man ihn verspeist. Die Rückfahrt erfolgte so zeitig, dass wir gegen 21.00 Uhr wieder in unserem Quartier waren.

13. Juni – Malchow – Waren – Neustrelitz – AnkershagenHeute ließ es die Reiseleitung gemütlich angehen, denn die Busabfahrt erfolgte erst um 10.30 Uhr. Von Plau am See fuhren wir durch verschiedene Wasserstraßen und Seen nach Malchow. Unser Führer war ein zugezogener sächsischer Leipziger, dessen Herz an einer Mecklenburgerin hängen blieb. Sein Name ist Lutz Richter (im Weiteren Lutz). Lutz sprach von seiner neuen Heimat, wie einer der sie neu entdeckt. Er sprach ruhiger und bedeckter als Mareike vom Vortag. Sobald er eine Frage nicht beantworten konnte, machte er sich kundig und gab die Antwort etwas später. Ich gab ihm den Rat, eine Frage mit einer Behauptung zu beantworten. Dafür könne er immer 2 Zeugen benennen. Der eine sei allerdings im 2. Weltkrieg gefallen und der andere wohnt in Südamerika. Für diese Antworten war Lutz noch nicht reif. Von Malchow aus fuhren wir wieder mit dem Bus nach Waren. Dort führte uns Lutz durch die Stadt. Es wurde die Zeit genutzt, um die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und den verbleibenden Rest auch zum Einkaufen zu nutzen oder die geschwächten Körper wieder mit Energie zu versorgen. Die Geschäfte hatten zum größten Teil sonntags geöffnet.
Interessant war die Löwenapotheke, sie hatte zwar am Sonntag geschlossen, am Fenster war jedoch zu lesen, dass sie auch mit Drogen handelt. Ob alle Drogen in Waren frei verkäuflich oder lediglich gegen Rezept abgegeben werden, war in der Kürze der Zeit nicht herauszufinden. Auch das Tourist-Informations-Büro war bei Beantwortung der Frage recht unsicher. Von Waren fuhren wir in die Residenzstadt der Linie Mecklenburg-Strelitz nach Neustrelitz. Nachdem die alte Residenzstadt abgebrannt war (hoffentlich nicht heiß saniert), wurde neben der Stadt Strelitz eine neue Stadt, nämlich Neustrelitz erbaut. Vom Marktplatz führen 8 Straßen im gleichen Winkel in die Stadt. In der Mitte des rechteckigen Marktplatzes hat man in der Neuzeit einen Kreisverkehr eingebaut, sodass man in alle Straßen hineinsehen kann, wenn die richtige  Ausfahrt erst bei der zweiten Durchfahrt benutzt wird. Das war wieder ein besonderer Service von Ernst. Von den hochherrschaftlichen Gebäuden steht noch die Schlosskirche, in der heute ein Museum für bildende Künste untergebracht ist. Das Schloss existiert nicht mehr. Es ist aber auf einem bemalten Gerüst, ähnlich dem Berliner Stadtschloss, dargestellt. Weiterhin gibt es auch noch die Orangerie. Neu-Strelitz war auch der Geburtsort der späteren preußischen Königin Luise. Sie soll sehr schön gewesen sein, die aber auch wusste ihre weiblichen Attribute gekonnt einzusetzen. Nur bei Napoleon soll dies nichts bewirkt haben.
Danach fuhren wir nach Ankershagen. Dort war Ernst Schliemann, Vater des Entdeckers Heinrich Schliemann als Pastor eingesetzt. Heinrich Schliemann war Hasardeur, Forscher, Autodidakt, Kapitalist und Opportunist. Er wechselte die Staatsbürgerschaft, sobald er für sich einen Vorteil sah und für seine Unternehmungen einen Gewinn erwartete.Danach fuhr uns Ernst wieder zurück nach Plau. Unterwegs bemühte sich Lutz immer wieder, uns auf Sehenswürdigkeiten in der Landschaft oder bei Durchquerung der Städte hinzuweisen, wohlwissend, dass unsere Gehirne schon mit dem bisher Gesehenen voll waren. Beim Abendbuffet gaben wir uns wieder der Völlerei hin.  Zum Glück waren die Tische im Lokal so eng gestellt, dass man oder frau sofort merkte, dass sich das Volumen des Körpers wieder an der falschen Stelle vergrößert hatte. Vielleicht lang es aber auch an den kleinen gehässigen Lebewesen, die nachts im Kleiderschrank die Kleidung enger nähen, auch „Kalorien“ genannt.

14. Juni – Güstrow – BasedowUm 8.30 Uhr begann wieder die Schlacht ums Frühstücksbuffet. Und wieder hatte man das Gefühl, dass sie die Tische und Stühle verbreitert hatten, die Durchgänge waren wieder enger.Kurz nach 9.00 Uhr begann unser Besichtigungsrundgang durch Plau, hier sahen wir die Hubbrücke und die Schleuse. Danach Anstieg zur Kirche mit Blick auf den langen Marktplatz. Überall war die norddeutsche Backsteingotik zu sehen. Nach dem Rundgang fuhr uns Ernst nach Güstrow. Im Hinblick auf die schon etwas müden Beine bot uns Ernst einen besonderen Service an. Er ließ uns direkt vor dem Güstrower Schloss austeigen, denn vom Busparkplatz wäre es ein sehr steiler Treppenanstieg zum Schloss gewesen. Meine Füße sagen Dir, lieber Ernst, nochmals danke. Überall sichtbare Bachsteingotik, nein nicht überall sichtbar. Das Güstrower Schloss ist ebenfalls mit Backsteinen gebaut worden. Die Herrschaften wollten jedoch eine Bundsandsteinfassade, hatten jedoch nicht die notwendigen Mittel, um den Kaufpreis und die Transportkosten bezahlen zu können. So kaschierte der Baumeister die Backsteinmauern so geschickt, dass sie, wie Bundsandsteinfassaden aussahen. Das Schloss diente Wallenstein kurzfristig als Residenz. Er ließ das Schloss noch um einen Flügel erweitern. Dieser Flügel wurde jedoch, als die mecklenburgische Herrschaft zurückkam, sofort abgerissen, denn sie duldeten an ihrem Schloss keinen neumodischen Kram. Die Abrisskante ist heute noch gut sichtbar und die entstandenen Einbuchtungen dienen heute Wild- oder verwilderten Bienen als Unterkunft. Auf den gepflasterten Gehwegen sind blaue Steine eingelassen. Folgt man diesen, so kommt man oder frau zur nächsten Sehenswürdigkeit. Güstrow ist berühmt durch Skulpturen, die Ernst Barlach geschaffen hat. Als während des kalten Krieges – in Zeiten der Annäherung – der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt die DDR besuchte, wünschte er Güstrow zu besuchen, um sich den „Schwebenden“ von Ernst Barlach an zu sehen. Die Regierung der DDR scheute keine Kosten und Mühe, schloss die Bevölkerung ein und karrte aus der Republik linientreue Genossen nach Güstrow, damit der Herr Bundeskanzler aus dem Westen auf seine Fragen nur sozialistische Losungen zu hören bekam. Das westliche Fernsehen durfte filmen und den Ton aufzeichnen. Es soll heute noch welche in „Hell-Deutschland“ geben, die aufgrund der gehörten Dialekte, meinen, dass Güstrow nahe an der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen liegt. Nach der Güstrower Stadtbesichtigung zeigte uns Lutz ein Beispiel für eine Landaus -siedelung. Wir fuhren in das Dorf Basedow. Es besteht lediglich Namensgleichheit mit der Krankheit gleichen Namens. Die Familie von Hahn hatte eine kleine Länderei von 10.000 ha. Wenn Vater Hahn seine Felder hätte selbst beackern müssen, so hätte er 40.000 Morgen dafür gebraucht. Er war auf die Hilfe von landwirtschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angewiesen. Er baute sich ein schlossähnliches Anwesen und für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wohnhäuser. Für die geistliche Erbauung wurde noch eine Dorfkirche errichtet. Damit die Landarbeiter nicht zu lange bei der Arbeit fehlten, gab es noch eine Art Krankenhaus. Die Backsteinkirche hat eine sichtbare Heizung. Neben dem Eingang steht ein Ofen. Vermutlich musste und muss jeder Kirchenbesucher im Winter ein Stück Brennstoff mitbringen. Für eine kleine Kirche, die während der Aussiedlung gebaut wurde, war sie sehr schön und kunstvoll ausgestaltet. Immer wieder sprach Lutz von seiner Frau. Dieses mecklenburgische Exemplar blieb immer im Hintergrund. Es bleibt jeder und jedem überlassen, sich Frau Richter individuell vorzustellen. In Plau sahen wir noch eine Hochzeitskutsche. Da die Ehefrau ein goldfarbenes Diadem auf dem Kopfe trug, vermuteten wir, dass es sich um eine goldene Hochzeit handeln müsse. Sehr glücklich sahen beide nicht aus. Bei ihr hatte ich den Eindruck, dass sie sich über das anschließende Festessen Gedanken machte und beim ihm hatte ich den Eindruck, dass er in Gedanken jetzt wieder frei sein könnte, wenn er sie nach 5 Jahren Ehejahren erschlagen hätte. Aber vielleicht waren es auch nur die zu engen Schuhe der beiden Eheleute. Am Abend begann wieder die Schlacht ums Buffet und auch diesmal siegten Augen, Mund und Magen. Es wurde wieder viel zwischen Nase und Kinn untergebracht. Der Verstand war wieder der große Verlierer.

15. Juni – Heimfahrt von Plau über Klein-Lüder (Hessenmühle) durch den Vogelsberg nach HeusenstammDer Tag begann wieder herrlich. Um 6.30 Uhr war auf dem Plauer See keine Welle zu sehen, auch die Schwesterwelle weilte in Berlin. Die Sonne strahlte und 2 Angler im Boot mit Außenbordmotor versuchten ihre mitgebrachten Würmer zu baden. Ob sie etwas Essbares angelten, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach dem Frühstücksbuffet wurden vom Ernst die Koffer im Bus verstaut; das Hauspersonal hatte sie vor die Eingangstür getragen. Ein letztes Gruppenfoto, ein letzter Blick und wir wurden von einer leitenden Mitarbeiterin, die ihre verhinderte Chefin vertrat, herzlich verabschiedet. Sie hatte lediglich den Wunsch, dass wir nur ein bisschen Sonne mitnehmen sollten und den größeren Teil in Mecklenburg zu lassen.Nach ein paar Minuten Fahrt, waren vom Sturm geschädigte Bäume daran schuld, dass an ein schnelles Weiterkommen nicht zu denken war. Ein Ehepaar, er von Neugier geplagt, erkundete die Lage und berichtete der Reiseleitung, sie stand, wie bei jeder Pause, sofort wieder unter Dampf. Über einen mit Natursteinen gepflasterten Weg fuhr uns Ernst an dem Stau vorbei. Glücklich wieder auf der Bundesstraße zu sein, standen wir im nächsten Stau. Diesmal war vermutlich ein PKW-Fahrer daran schuld, dass es zu einem Unfall kam. Vielleicht war er aber nur ein Opfer seines Glaubens. Er glaubte wahrscheinlich, dass er überholen könne. In diesem Stau gab es kein Vor oder Zurück. Ernst konnte den Bus auf der Straße nicht wenden, denn sie war schmal und die Gegenfahrbahn  wurde von den Einsatz -fahrzeugen der Rettungsdienste genutzt (Feuerwehr, Sanitätsfahrzeuge und Polizei). Unser buseigener Berichterstatter meldete noch die Landung und den Start eines Rettungshubschraubers. Danach löste sich der Stau auf und es ging weiter. Allerdings war soviel Zeit verstrichen, dass unser erstes Reiseziel Wolfenbüttel nicht mehr angefahren werden konnte. Eine Rastpause auf einer Autobahnraststätte 25 km vor Helmstedt diente als Ersatz für Wolfenbüttel. Bei dieser Gelegenheit empfahl uns Heinz, die Stadt Goslar zu besuchen, denn sie ist die Geburtsstadt des Firmengründers Siemens.Im Dunst begrüßte uns der Herkules und so wussten wir, dass wir wieder in unserem geliebten Hessenland waren. In den Bergen um Kassel wurde unser Bus von einem anderen Bus überholt. Der andere Busfahrer nutzte die Geschwindigkeitsbeschränkung von 80 km/h, um unseren Bus mit 95 km/h zu überholen. Der andere Fahrer hatte nicht mit dem Ehrgeiz unseres Ernsts gerechnet. Beim nächsten Berg war er fällig und Ernst fuhr souverän an dem anderen Bus vorbei. Der andere Busfahrer gab entnervt auf und suchte vermutlich in der nächsten Raststätte Trost. Wir tangierten Fulda und fuhren gen Vogelsberg, in Klein-Lüder bogen wir zur Hessenmühle ab. Dort verprassten wir noch die von Heinz ausgehändigten Reisegutscheine. Nach dem Abendessen fuhr uns Ernst in den Vogelsberg, dann weiter über die Autobahn nach Heusenstamm. Um 20.45 Uhr hatte uns Heusenstamm wieder.

Zusammenfassung:
Außerordentlich gut geplante und gut abgestimmte Reise. Sehr gute ruhige Unterkunft mit freundlichem und hilfsbereitem Personal. Sehr gute Küche, Buffets hervorragend. Reiseführer klar und verständlich, gute Erklärungen. Sie brachten ihren großen Sachverstand ein, ohne überheblich zu wirken. Es ist viel hängengeblieben, trotz unserer schon etwas betagten Speicherkapazitäten. Busfahrer, Reiseleitung, Unterkunft, Verpflegung und Stadtführer sind unbedingt weiterzuempfehlen.

Diese Darstellung ist die Meinung des Verfassers und stellt nicht unbedingt die Meinung der Seniorenhilfe Heusenstamm dar. Der einzelne Leser ist berechtigt, den Text oder einzelne Textpassagen als eigenen Text zu verwenden.

(Rudi Eiselt)            

 

 
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